Traumreise auf der „WEC GOYA“ ex. „Wilhelm“

von Heinz Storm

 

 

Angenehme 25° Celsius, ein wolkenloser Himmel und glatte See. Wir lassen die Seele bau­meln und genießen die Weite des Meeres. Wie entspannend kann Seefahrt sein. Mehr und mehr ge­winnen wir Distanz zu unserem „norma­len“, meist etwas hektischen Alltag. Nur ab und an, wenn wir eher zufällig das Blasen eines Wales erspähen oder einige Tümmler unser Schiff für einige Meilen begleiten, werden wir rückfällig, eilen zur Reling oder zum Vorschiff um mög­lichst ge­nau die immer seltener werdenden Tiere beobachten zu können.

 

Wir, das sind zwei Wiederholungstäter in Sachen Frachtschiffreisen und an Bord der „WEC GOYA“, auf dem Weg von Bilbao über Vigo und Sines zu den Kanaren und zurück. Zwei Wo­chen dauert diese Rundreise, gespickt mit Eindrücken, Erlebnissen und Erfahrungen, die keine Kreuzfahrt vermitteln könnte.

 

   

Auch wenn der Bordalltag für Kapitän und Besatzung stets ausreichend Arbeit und immer neue Überraschungen bereithält, werden wir Pas­sagiere doch richtiggehend verwöhnt. Der Kapi­tän ist stets um unser Wohlbefinden besorgt und erkundigt sich mehrfach täglich nach möglichen Probleme oder Wünsche. Für Landgänge hält er Stadtpläne und div. Tipps bereit und stellt uns die Bordfahrräder zur Verfügung. Als kleines Danke­schön erledigen wir einige Besorgungen. Und sollte uns einmal ein Anflug von Langeweile erfas­sen, so kann er auch dem begegnen, denn einige Arbeiten können auch wir Passagiere gerne über­nehmen.

 

 

Ob auf der Brücke oder in der Maschine, stets sind wir willkommen, und da auf dieser Reise ein deutscher Chief für das Funktionieren der Technik verantwortlich ist, haben wir in vielen Ge­sprächen ausreichend Gelegenheit, uns die zahlreichen Komponenten im Bereich der Ma­schine eingehend erläutern zu lassen.

 

Überhaupt sind Gespräche auf dieser Reise so etwas wie das Salz in der Suppe. Sei es mit den Mannschaftsmitgliedern an Deck, beim „Coffee-break“ in der Messe oder beim abendlichen Tee auf der Brücke, stets herrscht eine aufgeschlos­sene, sympathische Atmosphäre.

 

Doch es gibt trotz allem ein nur schwerlich zu umgehendes Problem, das schmackhafte Essen, zubereitet vom philippinischen Stammkoch. Seinen Kreationen können wir leider nur unzu­rei­chend widerstehen. So ist es nur gut, dass die „WEC GOYA“ über acht Decks und auch noch einem Trimmrad verfügt. So gehen wir nach zwei Wochen zwar mit schwerem Herzen aber nur mäßiger Gewichtszunahme von Bord.


Eisfahrt mit

MS „Helmut“

von Karl-Heinz Breidbach

 

 

Erinnerungen an eine Eisfahrt mit MS „Värmland“ im Winter 1996: Extreme Minusgrade, der Nord-Ostsee-Kanal und weite Bereiche der Ostsee sind von Eis bedeckt. Beeindruckend die nächtliche Fahrt durch das in­nere Schärenfahr­wasser von Hanko nach Manty­luoto. Die „Värm­land“ pflügt durch 30 cm dickes Eis, mit dem Eisscheinwerfer wird versucht, alte Fahrrinnen oder Eisbarrieren auszumachen.

 

Diese unvergesslichen Erlebnisse möchte ich auf einer Reise von Hamburg nach St. Petersburg mit MS „Helmut“ Anfang März 2010 auffrischen und um neue Eindrü­cke ergänzen.

 

 

Eine aufmerksame Betreuung der Passagiere durch Reederei und Schiffsleitung gehört offen­sichtlich schon zur Tradition, denn ich erhalte auch diesmal im Vorfeld der Reise u.a. detaillierte Informationen zu Schiff, Besatzung und ver­mutetem Reiseverlauf. Beim Eintreffen am Schiff eilt eine hilfsbereite Mannschaft herbei, mir den Gepäcktransport abzunehmen. Dann ein herzli­ches Willkommen durch den Kapitän und, kaum ist mein Gepäck in der großzügige Kammer un­tergebracht, geht es auf die Brücke, ablegen zur kleine Hafenrundfahrt. Die „Helmut“ verholt vom Bu-Kai zum CTA.

 

Am folgenden Tag passieren wir bei sonnigem Vorfrühlingswetter den Nord-Ostsee-Kanal. Es ist ein Vergnügen, vom Brückendeck die langsam vorbeiziehende Landschaft zu beobachten, alte Gutshäuser zu bestaunen, dem faszinierenden Wechsel von Sonne und Wolken zu folgen.

 

 

600 sm weiter nordöstlich dann, der Lichtkegel des Eisscheinwerfers schweift über die ersten Eisfelder. Ein schmaler, rötlicher Streifen am Horizont ist Vorbote eines klirrend kalten aber sonnigen Tages. Eisig pfeift der Wind über die vereiste See, laut poltern und knirschen die zerberstenden Eis­schollen am Rumpf entlang. Dann blitzt die Sonne am Horizont auf und erhellt zunehmend die endlos er­scheinende Eiswelt.

Viele Stunden später, nachdem der russische Lotse per Kran an Deck gelangt ist, schiebt sich die „Helmut“ im Konvoi mit vier anderen Schif­fen innerhalb einer schmalen Fahrrinne durch den vereisten Seekanal. Dichtes Schneetreiben beim nächtlichen Einlaufen in den Petersburger Hafen, eine feste Eisdecke erschwert das Manövrieren, Schlepper leisten Hilfestellung, die Mannschaft kämpft mit steif gefrorenen Trossen.

 

Knapp zwei Tage Liegezeit, da ich kein Visum besitze, ist ein Landgang durch das eisige St Petersburg nicht möglich. Der Chief bietet mir aber einen attraktiven, zu dem angenehm temperierten, Aus­gleich und erklärt mir ebenso geduldig wie verständ­lich die vielen „Geheimnisse im Keller“ von „Helmut“.